Zu AtlonXPs Beitrag komm gleich nachher. Zuerst zu mhiers Argumenten:
Hallo mhier,
Eben deswegen warte ich schon darauf, dass jemand hier im Forum das in S3D nachprüft. Es ist ja nicht so, dass ich die Bitte allzu sehr geheim gehalten hätte.mhier hat geschrieben:Ich kann mir das irgendwie nicht vorstellen, schon gar nicht für alle Slicer.
Undrf1k_mjh11 hat geschrieben:Interessant wäre, ob ein käufliches Programm wie S3D dies tut. Nett wäre es, wenn sich einer mit S3D die Arbeit antut und dies überprüft.
rf1k_mjh11 hat geschrieben:Und noch immer hat sonst keiner nachgerechnet, ob der Slicer falsch arbeitet.![]()
Tut mir leid, meine Beobachtung von gestern hat ein gegenteiliges Ergebnis gebracht. Ein möglicher Grund könnte sein, weswegen ich deiner Aussage zugestimmt habe:mhier hat geschrieben:Dann: Es ist ja eine Beobachtung, dass der Effekt geringer wird, wenn die Beschleunigung herabgesetzt wird
wobei ich hinzufügen möchte, dass es ebenso "magische" Beschleunigungswerte gibt, wo das Problem deutlich schlimmer wird (obwohl die Werte niedriger liegen). Hiermit kann ich dann deine eigene Aussage an dich richten:mhier hat geschrieben:Übrigens denke ich, dass es gewisse "magische" Beschleunigungen gibt, bei denen das Problem nicht so deutlich wird wie bei anderen Beschleunigungen.
Jedoch gebe ich (und gab ich) zu:mhier hat geschrieben:Damit ist deine Erklärung im Grunde widerlegt…
Dass diese gewissen dynamischen Effekte einmal das Problem verbessern oder beseitigen oder gar verschlimmern können, streite ich nicht ab. Ich bleibe dabei, dass mit Beschleunigungswerten und Pressure Advance bestenfalls ein Symptom (‘Beulen an der Ecke‘) bekämpft wird, nicht aber die Ursache.rf1k_mjh11 hat geschrieben:druckt man langsamer oder mit geringerer Beschleunigung, wirken sich gewisse dynamische Effekte anders aus
OK, sehen wir uns Pressure Advance an, und wie es ein Problem zu begegnen versucht (wobei das Problem nicht das der Beulen an den Ecken ist), (übrigens ein Dank an die Klipper3d.org-Seite): Die rote und grüne Linie stammt von mir. Die obere Kurve zeigt die Relativbewegung der Düse zum Druckobjekt.mhier hat geschrieben:Umgekehrt ist physikalisch klar, dass es den Effekt gibt, der mit Advance korrigiert wird. Es geht dabei eben genauso um die Materialmenge, die zur falschen Zeit am falschen Ort gefördert wird. Letztlich wird das Material zeitlich verzögert gefördert, was abhängig von der momentanen Geschwindigkeit sich dann in eine Material-Deposition am falschen Ort übersetzt. Das Symptom ist sehr ähnlich. Du brauchst also sehr gute Argumente, warum sich der von dir beobachtete Effekt nicht durch die Stauchung des Filaments und die daraus resultierende Verzögerung deer Extrusion erklären lässt.
Die dritte Kurve stellt eine Annahme dar, wie die tatsächliche Filamentmenge (über der Zeit) aussehen könnte. Sie beruht auf der Tatsache, dass das Filamentfördersystem eine gewisse Elastizität aufweist und wie eine Feder wirkt. So weit, so einleuchtend.
Wenn also eine Ecke umfahren wird müsste sich das Folgende abspielen (Hinweis: Die senkrechte rote Linie stellt den Punkt an der Ecke dar, wo die Düse kurzzeitig (fast?) zum Stillstand kommt (im Verhältnis zum Druckobjekt), also die Ecke selbst.
Zuerst fährt die Düse mit konstanter Geschwindigkeit (von links nach rechts entlang der horizontalen Linie, oben) bis sie den Punkt erreicht, ab dem abgebremst wird (die steil abfallende Linie). Bis zum ‘Abbremspunkt‘ wird das Filament mit einer konstanten Geschwindigkeit gefördert. Alles schön konstant, somit alles in Butter.
Ab dem Abbremsen, noch vor der Ecke, kommt (laut der dritten Kurve im obigen Bild) zu viel Filament aus der Düse (siehe den Unterschied zwischen der schwarzen ‘Schi-Schanze‘ und der grünen Linie beim Erreichen der roten Linie). Die Idee dahinter ist, dass sich das System wie eine Feder etwas entspannt.
Der wichtige Punkt dabei: Das geschieht alles noch vor dem Erreichen der Ecke. Es wird somit, laut der Theorie auf dem Pressure Advance beruht, schon vor der Ecke zu viel Material gefördert.
Interessanterweise sind bei mir die Beulen beinahe allesamt nach der Ecke. Gibt es dazu eine verständliche Erklärung?
Klipper, mit Pressure Advance, möchte diesem theoretischen Materialüberschuss begegnen, indem schon vor dem Abbremspunkt der Förderdruck reduziert wird: (Die roten Buchstaben, A, B, C, stammen von mir.)
Hier muss man sich dazu die grüne Kurve ansehen. Wie man erkennen kann, wird noch vor dem ‘Losfahren‘ schon gefördert (damit der Druck aufgebaut wird, bei Punkt ‘A‘) und ebenso vor dem Abbremsen die Fördermenge reduziert, um den Druck abzubauen (bei Punkt ‘C‘ und teilweise bei ‘B‘). Der Kurve nach müsste ich bei meinen Ecken jeweils vor der Ecke eine Lücke oder Einfallsstelle haben und nach der Ecke eine noch größere Beule haben als ich schon habe. Denn es wird nach der Ecke zusätzliches Material gefördert, wo ich doch jetzt, ohne Pressure Advance, schon zu viel Material habe.
Der Punkt ‘B‘ zeigt gut die Situation an einer Ecke. Hier dürfte es sich um eine Ecke mit stumpfen Winkel handeln (vielleicht 120 oder 135°). Noch vor der Ecke wird Druck reduziert, genau an der Ecke dürfte der Druck in etwa entsprechen, aber bereits kurz nach der Ecke wird der Druck übermäßig erhöht (hier kann man jeweils das Wort ‘Druck‘ durch ‘Fördermenge‘ ersetzen).
Hier wird eindeutig nach der Ecke die Fördermenge erhöht, wo doch jetzt schon, ohne Pressure Advance, eine Beule entsteht.
Vielleicht beruht das alles auch auf einen Gedankenfehler?
Hier handelt es sich ziemlich sicher um einen Gedankenfehler.mhier hat geschrieben:Mir fällt noch etwas ein: Wenn du ein Rechteck druckst, sollten die 4 Seiten des Rechtecks jeweils einen G-Code-Befehl ergeben (nicht mehrere). Wenn du recht hast und der Slicer nicht berücksichtigt, dass die Ecken einen Überlapp haben, führt das in dem Fall nicht zu einer Überextrusion nur genau in den Ecken, sondern zu einer gleichmäßigen (!) Überextrusion des gesamten Rechtecks, also auch auf der geraden Strecke.
Ja, der Slicer errechnet sich ein Fördervolumen aus, das der Förderstrecke, Raupenbreite und Layerhöhe entspricht. Und es handelt sich im Normalfall dann nicht um eine Überextrusion. Geschehen tut die Überextrusion dann nicht über die gesamte Länge, sondern nur genau dort, wo bereits Material ist (und es somit kein Platz für neues Material gibt) und das extrudierte Material daher von der vorgesehenen Bahn abweichen muss.
(Gedankenfehler: Ich könnte genauso gut sagen, Pressure Advance bringt nichts, denn das zusätzliche oder fehlende Material wird ja eh‘ gleichmäßig über die gesamte Länge aufgeteilt.)
Habe noch kein richtiges Argument gelesen. Sorry.mhier hat geschrieben:Es gitb also 2-3 Argumente, die gegen deine Theorie sprechen... Selbst wenn deine Theorie richtig ist, kann sie nicht die beschriebenen Symptome erklären.
Du kannst aber gerne selbst nachrechnen. Meine Idee mit der GCode-Analyse war:
Die Korrektur einer Eckenüberschneidung (wie ich sie gezeigt habe), wäre für einen gewissen Eckenwinkel immer gleich, also ein konstanter Wert. Die Ecken vom Probestück waren alle 90°. Somit müsste der Korrekturwert für alle Ecken gleich sein. Egal ob ich sage, ‘pro Ecke kommt die Hälfte der Korrektur vor und die Hälfte nach der Ecke‘ oder ‘es kommt immer die volle Korrektur nach der Ecke‘ – egal, es käme insgesamt immer nur eine Korrektur pro Seite vor.
Mit diesen zwei Annahmen ( #1: es handelt sich um einen konstanten Wert und #2 diese kommt nur einmal pro Seite vor) kann man rechnerisch feststellen, ob ein Korrekturwert existiert.
Auf der Extrusionsmenge eines langen Pfads (50mm) würde sich ein konstanter Korrekturwert prozentuell weniger stark auswirken wie auf die Extrusionsmenge eines kurzen Pfads (1mm).
Bei meiner Recherche kam ich auf einen Korrekturwert von 0 (Null).
Du kannst gerne selbst nachrechnen. Beim Nachprüfen aber den Anfangspfad/Endpfad nicht zur Berechnung hernehmen, da dieser anders abgearbeitet wird.
mjh11
Abgesehen davon ist Pressure Advance beinahe so Off-Topic wie Beschleunigungswerte oder gar Retract (siehe nächsten Beitrag)