Hallo allseits,
Ich bin wieder ein wenig weitergekommen. Morgen werde ich mein erstes Fräsobjekt angehen. Am Ende sollte es, etwas Glück vorausgesetzt, so aussehen:
MillingExample_2a.jpg
Dazu wird als Ausgangsmaterial ein Stück Hartschaumplatte herhalten müssen.
Es war aber ein steiniger Weg bis hierher. Immer wieder wollte ich mir die Arbeit ersparen, die Videos durchzuackern. Immer wieder erlebte ich unverständliches Verhalten bei der Erzeugung der Werkzeugpfade. OK, mal kurz klein beigeben und wieder ein Video gucken. Dann wieder ohne. Und wieder bin ich hängen geblieben.
Ich habe noch immer nicht alle Videos durchgesehen, glaube aber, einen 'beinahe' brauchbaren Werkzeugpfad erhalten zu haben. (ACHTUNG: ich gucke nur die Videos der Werkzeugpfaderstellung an - der Abschnitt namens '
Creating Toolpaths and Programs (CAM)'.)
Ich habe mir ein paar billige Fräserbits besorgt (Marke Dremel). Die muss man dem Programm bekanntgeben. Schließlich muss das Programm den Durchmesser, Schneidenanzahl, Schaft- und Schneidenlänge, usw. wissen, um den Werkzeugpfad zu berechnen.
Diese Fräserbits sind allesamt nicht in der bereits großzügigen Werkzeugdatenbank untergebracht, denn es handelt sich schließlich eher um 'Spielzeug', nicht um ernstzunehmende Fräser, im Sinne einer industriellen CNC Fräsmaschine.
Der Werkzeughalter, in meinem Falle das Ende einer flexiblen Welle, fehlt ebenfalls in der Datenbank, was schon gar nicht überrascht.
Das Werkstück:
Da das Werkstück schöne Radien, aber auch scharfe Kanten und Ecken aufweist, kommt man mit nur einem Werkzeug nicht aus. OK, zugegeben, nehme ich einen Fingerfräser, kann ich das meiste fräsen. Bloß bleiben dann in und an den Radien Kanten übrig, ähnlich der Treppen beim 3D-Drucken von schrägen Flächen. Besser ist, bei Radien die Verwendung eines Fräsers mit abgerundeter Spitze, oder, wie in meinem Fall, eines kugelförmigen Fräsers.
Hat man aber einen Fräser mit einer Abrundung, bekommt man keine scharfe Innenecke hin. Also muss man mehrmals fräsen.
So ein richtiges CNC Bearbeitungszentrum kann mehrere hundert Werkzeuge jederzeit automatisch einsetzen. Der RFx000 erlaubt das nur über den manuellen Eingriff.
Also habe ich der Übung halber drei Fräsdurchgänge aufgesetzt.
Die ersten zwei Durchgänge werden mit einem 3.2mm Fingerfräser gemacht, mit scharfkantiger (rechteckiger) Spitze. Der dritte Durchgang wird mit einer 7.8mm Kugelfräse durchgeführt.
- Ein Plan-Fräs-Durchgang. Hier wird nur etwas von der Oberfläche der Rohteils abgefräst, um eine definierte Fläche als Ausgang zu erzeugen (ein wenig wie der 'Raft' beim 3D Druck).
- Ein Grob-Durchgang, wo ein Großteil des Materials entfernt wird, ohne dass sich die Kontur überall genau abbildet, vor allem Radien werden Stufen und Ecken haben.
- Ein (quasi) Fertig-Durchgang, wo die meisten Radienkonturen nachgefräst werden.
Am Ende sollte man sehen, dass in den scharfen Innenecken noch Material übrigbleibt (zum Beispiel in der runden Vertiefung, in der unteren Ecke des Bildes, wird vermutlich ein Radius über bleiben, und keine scharfe Ecke).
Zu meinem Vorgehen.
Hier habe ich scheinbar einiges an Verwirrung hervorgerufen.
Eigentlich gibt es beim RFx000 einen eigenen Fräs-Modus, den man auswählen kann wenn diese in der Firmware aktiviert wurde. Dieser Fräs-Modus ist üblicherweise, muss aber nicht, mit einem zusätzlichen Endschalter in Z (unten) verknüpft. Ich kann es nicht bestätigen, aber vermute, dass wenn man im Fräs-Modus ist, sich das Vorzeichen der Z-Achse umkehrt.
Ich habe hingegen vor,
nicht im Fräs-Modus zu fräsen, damit ich möglichst wenig an meinem funktionierenden System (de 3D Drucks) ändern muss.
Das stellt eigentlich kein Problem bei der Generierung der Werkzeugpfade dar. Wenn man die Bearbeitungsrichtung korrekt angibt, kommt das richtige heraus (bei mir war das Glück - ich wusste nicht was ich tat, habe das Ergebnis aber öfters kontrolliert). Betrachtet man den GCode, sieht man, dass praktisch alle Z-Werte negativ sind. Das heißt, das Bett kommt beim Fräsen immer höher herauf (wie es auch sollte).
Damit das aber klappt, muss ich natürlich einiges vorbereiten. Ich muss dem fertigen GCode des Werkzeugpfads ein bisschen unter die Arme greifen. (Damit bin ich, genau genommen, ein Post-Post-Prozessor.)
- Die drei Achsen werden ge-homed (G28 X0 Y0 Z0). Da wir im Druck Modus sind, fährt das Bett ganz hoch.
- Dann fahre ich manuell weit genug mit dem Bett nach unten, damit das Rohmaterial, samt Fräser, Platz hat. Das Rohmaterial, die Hartschaumplatte, wird dann befestigt, vermutlich mit doppelseitigem Klebeband (hoffentlich reicht das
). Auch der Fräser wird erst jetzt montiert da für beide Elemente beim 'Homen' kein Platz wäre.
- Dann fahre ich mit X und Y zur vorbestimmten Ecke des Rohmaterials (wo der eigentliche Ausgangspunkt des Werkzeugpfad-GCodes ist). Sicherheitshalber werden die Achsen auf Null gesetzt (nicht 'ge-homed'!, nur rechnerisch mit Null belegt - mit "G92 X0 Y0 Z0"). Hier beginnt dann der echte Fräsvorgang.
- Im Zuge des Fräsens wird sogar eine Pause eingelegt, damit ich einen anderen Fräser einspannen kann. (Das wird besonders spannend, da die Fräser unterschiedliche Längen haben - den Unterschied muss ich manuell eingeben und etwas tricksen.) Dann wird fertig gefräst.
Auch die Pause wurde von mir in den GCode eingepflegt. Mehrere Trockenläufe habe ich hinter mir. Morgen kommt der Drucker ins Freie, der Werkstattstaubsauger dazu, und dann werde ich es einmal auf
'Teufel komm raus' versuchen.
mjh11
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